toto corde, tota anima, tota virtute
Von ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft

„Mr. Pilks Irrenhaus“ Premiere geglückt – Neuanfang mit verjüngtem Theaterensemble

Am diesjährigen Stiftstheater war vieles anders: eine neue Leitung, ein neues Stück und viele neue Schauspielerinnen und Schauspieler, die Hälfte davon aus der ersten Klasse. Doch die Spiellust der Schülerinnen und Schüler und der Ideenreichtum der letzten Jahre ist geblieben. Alle gaben Vollgas und bescherten dem Publikum eine irrsinnige Reise in die Welt von Mr. Pilk.

„Hey, pssst!“ Ein kleiner weisser Kopf streckt sich durch den riesigen schwarzen Vorhang des Stiftstheatersaals. Es ist der Autor Ken Campbell (gespielt von Vera Mathis), welcher den Theaterabend eröffnet, indem er dem Publikum erzählt, wie er den schreib- und alkoholbesessenen Mr. Pilk kennengelernt hat, dessen Texte heute vorgeführt würden.

Was folgt, ist ein Reigen von absurden und immer wieder auch durchaus bösartig komischen Miniaturen. Dem mysteriösen Mr. Pilk, welcher angeblicherweise alle Szenen erfunden und auf verschiedenen Papierschnipseln niedergeschrieben hat, legt denn auch Campbell folgenden sinnigen Satz in den Mund, der an diesem Abend Programm sein wird: „Der Irrsinn darf nicht unterdrückt werden, da er sonst zu Geisteskrankheiten führt.“

Der endlose Ohrwurm
In flottem Tempo wechseln sich die Szenen ab in der Inszenierung der neuen Leiterin des Stiftstheaters, Livia Stampfli-Huber, und es fällt sehr schwer, daraus einen Favoriten herauszupflücken: Ist es nun die Szene mit der vor Schmerzen schreienden Patientin (Anna Höfliger), welcher der Doktor (Alexandra Salvari) einen Ohrwurm aus dem Hörorgan ziehen muss? Sie ist herrlich inszeniert, indem die Operation hinter einer weissen Schattenwand gezeigt wird. So hört man nur die Schreie und sieht die Silhouetten, vor allen diejenige des endlosen Wurms, der aus dem Ohr der armen Patientin herausgezerrt wird.

Oder ist es die Szene mit dem deutschen Touristenpaar (gespielt von Tobias Freund und Vera Mathis), welches auf der italienischen Polizeiwache vorstellig wird, da es die tote Grossmutter auf dem Dachträger loswerden will? Bei der Verständigung mit Laut- und Zeichensprache passieren so einige Missverständnisse: Der Mann versucht zu erklären, dass sie mit dem Auto hierhergefahren seien, aber der Poliziotto (Ella Brunner) versteht, dass der Mann an Durchfall leidet…

Vielleicht ist es aber auch die Szene, in welcher zwei Schauspielerinnen (gespielt von Anna Höfliger und Ella Brunner) Spione spielen wollen und als Geheimsprache abmachen, immer das Gegenteil von dem zu sagen, was sie eigentlich meinen? Mit ihren glitzernden Strumpfmasken und ihrem absurden Plan verstricken sie sich zum Vergnügen des Publikums heillos in die Situationskomik.

Eine wandelfähige Treppe
Die Bühne (Bühnenbild: Fredi Trütsch) ist schlicht gehalten, als mobiles Element wird eine riesige Treppe als vielseitige Spielfläche verwendet, daneben dient die bereits erwähnte weisse Wand als Schattenwand mal als Leinwand für pantomimische Verstärkung und Spiegelung, mal auch als zweiter Spielraum neben der eigentlichen Bühne. Alle Figuren treten an diesem Abend weiss gekleidet auf, die einzigen Unterscheidungsmerkmale bilden die unterschiedlichen Kopfbedeckungen und die Farbstriche im Gesicht, welche von Simone Steinegger (Kostüme) sorgfältig auf die jeweiligen Rollen abgestimmt wurden.

Der Jubel nach der Premiere
„Nein, ich war nicht wirklich nervös“, antwortet der Erstklässler Raphael Moerisch nach der Premiere ohne zu zögern auf die Frage, wie es denn um seine Aufregung bestellt gewesen sei. Diese Antwort ist aufschlussreich und steht stellvertretend für die Leistung des ganzen Ensembles an diesem Abend: Obwohl nur sechs Spielende bereits letztes Jahr der Theatergruppe angehörten und nur zwei davon Erfahrung mit grossen Rollen mitbringen, spielt das achtzehnköpfige Ensemble selbstbewusst, frech und vor allem mit vollem Einsatz. Dies ist umso erstaunlicher, wenn man sich vor Augen führt, dass die Hälfte davon gerade mal die erste Klasse der Stiftsschule besucht. Nach der gelungenen Aufführung brechen denn auch hinter der Bühne alle Dämme und die letzten Zuschauer im Saal vernehmen lächelnd ein grosses Jubelgeschrei.

Teamwork für den Erfolg
„Die Erfahrenen schauen sehr gut zu uns und helfen mit Rat und Tat. So sind wir in diesen Wochen zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen“, erklären zwei Erstklässlerinnen die Dynamik in der Gruppe. Die erfahrensten Schauspieler sind Anna Höfliger und Tobias Freund, beide planen, die Schule im Sommer mit dem Maturazeugnis in der Tasche zu verlassen. Sie haben in den letzten Jahren ihr grosses Schauspieltalent in verschiedensten Inszenierungen und Rollen gezeigt und spielen auch an diesem Abend hinreissend. Aber „Mr. Pilks Irrenhaus“ ist vor allem Teamwork: Alle setzen sich für das Gelingen des Ganzen ein und jede und jeder leistet einen Teil für das Gelingen aller Szenen, sei dies mit dem Verschieben der Treppe für den nächsten Sketch, als Pantomimenspieler hinter der Schattenwand oder als Tänzerin auf der Bühne. Besonders eindrücklich zeigt sich dann die geballte Schauspielkraft in der Schlussszene, wo alle in einer ihrer Rollen zurück auf die Bühne kommen, um das Stück mit einem wunderbar irren Tohuwabohu zu beenden.

Die Premiere war ein Fest der ganzen Schulgemeinschaft, in der Theaterbeiz servierte vor und nach der Aufführung ein Team aus Lehrpersonen und Schülern Getränke und Snacks, die Maturaklassen verkauften ihre Maturazeitung, dazu spielte einer von ihnen (Sebastian Bergholz) Barmusik am Piano. Fazit: Das Stiftstheater zeigt sich verjüngt, stark und bereit, die Theatertradition der Schule in die Zukunft zu tragen!

Philipp Lothenbach, Fotos Fritz Tschümperlin

Weitere Vorstellungen
Freitag, 22. März 20.00 Uhr
Samstag, 23. März 20.00 Uhr

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