toto corde, tota anima, tota virtute
Von ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft

Griechenlandreise 2019

Zu Anfang der Herbstferien brachen sechs enthusiastische Schüler und zwei nicht minder begeisterte Lehrer nach Griechenland auf. Ich hatte das Glück, unter ihnen zu sein. Mit Freude, aber auch mit vielen Fragen, was in diesen zehn Tagen auf mich zukommen würde, trat ich am 28. September 2019 eine Reise an, die zu einem der eindrücklichsten Erlebnisse meines Lebens werden würde.

Das Abenteuer startete früh, schon um sechs Uhr morgens traf man sich gähnend im Zug, noch halb im Schlaf versunken. Von Arth-Goldau ging es weiter nach Milano und am Nachmittag fuhr der Zug an unserem Ziel, der italienischen Stadt Ancona ein. Dort setzten wir unseren Weg per Fähre fort. Die Kabinen waren klein, der Horizont auf Deck aber schier unendlich. Lange standen wir abends noch draussen, die Haare zerzaust, die Körper ermattet, fasziniert vom wunderschönen Sonnuntergang. Gemächlich ging der Himmel über von blau zu orange, zu korallenrot, zu einem samtigen Dunkelblau, während unter uns die Gischt aufschäumte.

Am frühen Abend des nächsten Tages kam dann die Fähre in Patras an, wo wir für unsere Rundreise einen Kleinbus übernahmen und nach Olympia aufbrachen. Nach unserer ersten Nacht in Griechenland ging es zur Besichtigung der Ausgrabungsstätte. Sehr schnell merkte ich, dass die damalige Heiligkeit von Olympia auch heute noch mit hoher Intensität wirkt. Die weiche, grüne Landschaft und das ruhige Plätschern eines Bächleins verliehen dem Ort eine fast mystische, mysteriöse Wirkung. Am Nachmittag besuchten wir das ebenso interessante Museum, wo wir Meisterwerke antike Kunst bewundern durften.

Am 1. Oktober verliessen wir Olympia und fuhren weiter nach Tolon, dort erlebten eine mediterrane Seite von Griechenland. Auf dem Weg dorthin besichtigten wir noch einen ausserordentlich gut erhaltenen Apollotempel und machen eine Wanderung zum Felsenkloster Ioannis Prodromou, mein eindrücklichstes Erlebnis dieser Reise. Nach einem kurzen, aber steilen Aufstieg kamen wir beim Kloster an, welches ganz in Fels gehauen war. Es schien ganz ein Teil des Felsens zu sein und präsentierte eine imposante Aussicht auf die Lousios-Schlucht. Wir besuchten das von innen ebenso faszinierende Kloster und assen dann im Innenhof noch zu Mittag. Mich beeindruckte die tiefe Spiritualität des Ortes, der genau wie Olympia heilig schien, jedoch mit byzantinischer Färbung.

Am Abend kamen wir in Tolon an und konnten eine erfrischende Abkühlung im Meer geniessen. Darauf ging es am nächsten Morgen nach Mykene, wo man die Ruinen des sagenumwobenen «Palast des Agamemnon» besichtigen kann. Wir machten noch einen kurzen Abstecher nach Nemea und besichtigten am Nachmittag eine venezianische Festung über der charmanten Stadt Nafplio. Nach einem etwas hastigen, späten Mittagessen in der Stadt fuhren wir dann zurück nach Tolon, wo wir unseren Aufenthalt am Meer ausklingen liessen.

Am 3. Oktober folgte ein weiterer Meilenstein der altgriechischen Kultur, das Epidauros-Theater. Schon das leiseste Geräusch war in diesem immensen Theater zu hören. Weiter ging es mit einem kurzen Besuch in Korinth, schliesslich kamen wir dann in Delphi an. Mir fiel dort besonders der Unterschied zwischen Delphi und Olympia auf. Olympia ist eine weiche, einladende Landschaft, während Delphi höher in den Bergen liegt, mit stürmischem Wetter (was wir sehr bald auch noch erfahren durften!) und härterer Landschaft. Aussergewöhnlich schön waren die manchmal hinter den Bergen hervorblitzenden Sonnenstrahlen, durchzogen von leichten Nebelschwaden.

Auch in Delphi besichtigten wir die Ausgrabungsstätte, was jedoch relativ abrupt von einem starken Regenguss unterbrochen wurde, so flüchteten wir durchnässt aber doch noch guter Laune zurück ins Hotel, wo wir uns trockneten und dann ein weiteres byzantinisches Kloster, Hosios Loukas besuchten. Noch nie zuvor hatte ich so filigrane, opulente Mosaikbilder gesehen und wieder war dieser Ort für seine orthodoxe Spiritualität bewundernswert. Gegen Abend ging es dann noch ins Museum von Delphi, dort stach vor allem eine fast zwei Meter grosse Sphinxstatue heraus.

Nun näherten wir uns langsam der letzten Etappe unserer Reise, Athen. Vorher aber besuchten wir noch den friedlichen, fast meditativen Artemistempel in Brauron und das sonnendurchflutete Kap Sunion in der Nähe von Athen. Nach einer abenteuerlichen Fahrt zum Hotel im Stadtzentrum gaben wir den gemieteten Kleinbus wieder ab, und bewegten uns von nun an mit dem öffentlichen Verkehr in der Stadt.

Am 7. Oktober besichtigten wir die berühmte Akropolis und das architektonisch bemerkenswerte Akropolismuseum. Jedoch merkte ich langsam, dass eine Müdigkeit in mir aufkam, die vergangenen Tage waren immer intensiv und lange gewesen, deswegen aber nicht minder spannend. Und doch freute ich mich wieder auf die Schweiz. Der letzte Tag in Griechenland begann mit einem raschen Rundgang durch die Innenstadt von Athen, wo wir wichtige Gebäude und Stadtviertel zu Gesicht bekamen. Nachmittags besuchten wir noch das Archäologische Nationalmuseum, wo mir farbenfrohe Krokusmalereien und die goldene «Agamemnon-Maske» noch besonders in Erinnerung geblieben sind. Abschliessend nahmen wir ein Taxi zum Flughafen und machten uns auf zum Heimflug. Um 19:30 kamen wir dann in Zürich an und mussten uns leider voneinander verabschieden.

Ich bin sehr dankbar für die Bildungsreise. Sie hat mich im wahrsten Sinne des Wortes «gebildet», hat mich geformt zu einem Menschen mit noch tiefer verankerter Bewunderung für die Antike, die Fundamente unserer Welt. Sie hat mir neue Perspektiven gegeben, neues Wissen, neue Erinnerungen und neue Freunde. Danken möchte ich dafür Herr Diethelm, der diese Reise plante und durchführte, ebenso Herr De Vecchi, der tatkräftig zur Seite stand. Wir Griechischschüler/innen besitzen ein Geschenk von Wert, nämlich die Möglichkeit, hinter den Vorhang der heutigen Welt zu schauen, die Zusammenhänge und die Entwicklungen zu erkennen.

Jael Inauen (5b)

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